DAS BUCH LUZIFER - (Luft) Teil10

Veröffentlicht auf von koma1980

LEBEN NACH DEM TOD DURCH
SELBSTERFÜLLUNG

Der Mensch weiß, dass er eines Tages sterben
muss. Auch andere Tiere wissen, wenn der Tod
naht, dass sie sterben müssen; aber erst wenn der
Tod sicher ist, fühlt das Tier seinen bevorstehenden
Abschied von dieser Welt. Und selbst dann wissen sie
nicht genau, was sterben bedeutet. Es wird oft behauptet,
das Tiere den Tod dankbar annehmen, ohne Angst oder
Widerstand. Das ist eine schöne Vorstellung, die aber nur
in den Fällen stimmt, wenn der Tod für das Tier
unvermeidlich ist.
Wenn ein Tier krank oder verletzt ist, wird es mit aller
Kraft, die ihm noch bleibt, um sein Leben kämpfen.
Dieser unerschütterliche Lebenswille würde auch dem
Menschen, wenn er nicht so „hochentwickelt“ wäre, den
Kampfgeist geben, den er zum Überleben braucht.
Es ist eine bekannte Tatsache, dass viel Menschen
einfach sterben, weil sie aufgegeben haben und ihnen
alles egal ist. Das ist verständlich, wenn jemand sehr
krank ist und keine Hoffnung auf Heilung sieht. Aber
dies ist oft nicht der Fall. Der Mensch ist faul geworden.
Er hat gelernt, den bequemsten Weg zu gehen. Sogar
Selbstmord ist für viele Menschen inzwischen weniger
abstoßend als manche andere Sünde. Dies ist ganz allein
Schuld der Religion.

Der Tod wird in den meisten Religionen als großes
geistiges Erwachen gepriesen - eines, auf das man sich
sein ganzes Leben lang vorbereitet. Diese Vorstellung ist
sehr ansprechend für jemanden, der kein befriedigendes
Leben gehabt hat; aber für diejenigen, die alle Freuden,
die das Leben zu bieten hat, erfahren haben, ist mit
sterben eine große Furcht verbunden. Und so sollte es
auch sein. Es ist diese Lust am Leben, die es dem vitalen
Menschen ermöglicht, nach dem unvermeidlichen Tod
seiner fleischlichen Hülle weiterzuleben.
Die Geschichte zeigt, dass Menschen, die ihr Leben für
ein Ideal gegeben haben, als Märtyrer vergöttert werden.
Religiöse und politische Führer waren schon immer sehr
raffiniert beim Aushecken ihrer Pläne. Indem sie ihren
Zeitgenossen den Märtyrer als leuchtendes Beispiel
hinstellen, verhindern sie die Reaktion des gesunden
Menschenverstands, dass vorsätzliche Selbstzerstörung
jeder tierischen Logik widerspricht. Für den Satanisten
ist Märtyrertum und allgemeiner Heldenmut keine
Integrität sondern Dummheit. Dies trifft natürlich nicht
zu in Situationen, in denen die Sicherheit eines geliebten
Menschen auf dem Spiel steht. Aber sein eigenes Leben
für so etwas Unpersönliches wie religiöse oder politische
Motive hinzugeben ist das allerletzte an Masochismus!
Das Leben ist die große Sinnesfreude; der Tod die große
Enthaltsamkeit. Für jemanden, der mit seinem irdischen
Dasein zufrieden ist, ist das Leben ein Fest; und niemand
verlässt gern ein gutes Fest. Aus dem gleichen Grund
wird derjenige, der das Leben auf Erden genießt, dieses
nicht gern für das Versprechen eines Lebens nach dem
Tod aufgeben, über das er nichts weiß.

Die östlichen mystischen Religionen bringen den
Menschen bei, sich gegen jeden bewussten Erfolgswillen
zu disziplinieren, damit sie mit dem „universellen
kosmischen Bewusstsein“ verschmelzen - also gegen
alles, was zu einem gesunden Gefühl der Befriedigung
oder des ehrlichen Stolzes auf irdische Erfolge führt!
Es ist interessant festzustellen, dass in Gegenden, in
denen dieser Glaube gedeiht, materieller Reichtum nicht
so einfach zu erzielen ist. Aus diesem Grund muss der
vorherrschende religiöse Glaube seine Anhänger loben,
wenn sie materielle Dinge ablehnen und eine
Ausdrucksweise vermeiden, die auf eine gewisse
materielle Wertschätzung hindeutet. Auf diese Art
können die Menschen soweit besänftigt werden, dass sie
ihr Los akzeptieren, egal wie gering ihr Auskommen sein
mag.
Der Satanismus verwendet viele Ausdrucksformen.
Wenn es keine Bezeichnungen gäbe, würden nur wenige
von uns etwas im Leben verstehen, geschweige denn eine
Bedeutung damit verbinden - und Bedeutung führt zum
Verstehen, etwas, das jeder will, speziell die östliche
Mystik, die jedem beizubringen versucht, wie er noch
länger meditieren oder noch größeren Mangel oder
Schmerz ertragen kann als sein Mitmensch.
Die östlichen Philosophien predigen die Zerstörung des
menschlichen Selbstvertrauens, damit es nicht sündigen
kann. Es ist für den Satanisten unergründlich, wie man
sich ein Selbstvertrauen vorstellen soll, das sich selbst
verleugnet.

Es ist klar, dass in Ländern, wo diese Taktik als
Beruhigungsmittel für die willig verarmten Menschen
eingesetzt wird, eine Philosophie, die die Verneinung des
Selbstbewusstseins lehrt, einer nützlichen Absicht dient -
wenigstens für die Mächtigen, denn für sie wäre es zum
Nachteil, wenn ihr Volk unzufriedne wäre. Aber wer jede
Möglichkeit zu materiellen Gewinn hat, muss doch
verrückt sein, sich diese religiöse Denkweise
auszusuchen!
Die östliche Mystik glaubt fest an die Wiedergeburt. Für
einen Menschen, der praktisch nichts in diesem Leben
hat, mag die Vorstellung, in einem früheren Leben
eventuell ein König gewesen zu sein oder es im nächsten
Leben zu werden, sehr attraktiv erscheinen und trägt dazu
bei, sein Bedürfnis nach Selbstrespekt zu befriedigen.
Wenn es nicht gibt, auf das er in diesem Leben stolz sein
kann, dann tröstet er sich mit dem Gedanken: „Es gibt
immer noch die zukünftigen Leben“. Es fällt dem
Menschen, der an die Wiedergeburt glaubt, einfach nicht
auf, dass sein Vater, Großvater und Urgroßvater etc. kein
„gutes Karma“ entwickeln konnten, obwohl sie doch alle
den gleichen Glauben und die gleichen ethischen
Vorstellungen hatten wie er - denn warum lebt er wohl
jetzt in Entbehrung und nicht wie ein Maharadscha?
Der Glaube an die Wiedergeburt führt in eine
wunderschöne Phantasiewelt, in der man den geeigneten
Weg finden kann, sein Selbstvertrauen auszudrücken und
gleichzeitig behaupten kann, es aufgelöst zu haben. Das
spiegelt sich auch in den Rollen wieder, die sich die
Menschen für ihr vergangenes oder zukünftiges Leben
vorstellen.

Wer an die Wiedergeburt glaubt, sucht sich nicht immer
einen ehrenwerten Charakter aus. Wenn er eine
respektable und konservative Persönlichkeit ist, wird er
oft einen schillernden Schurken oder Gangster wählen
und befriedigt damit die andere Seite seines Ichs. Und
eine Frau, die einen hohen sozialen Status genießt, wählt
z.B. eine Hure oder eine berühmte Kurtisane für die
Beschreibung ihrer Rolle in einem früheren Leben.
Wenn die Menschen sich von dem Stigma, das mit ihrer
persönlichen Selbsterfüllung verbunden ist, trennen
könnten, müssten sie sich nicht mit solchen Spielen etwas
vormachen, wie an die Wiedergeburt zu glauben als ein
Mittel, ihr natürliches Bedürfnis nach Selbstbewusstsein
zu befriedigen.
Der Satanist glaubt an seine vollkommene
Selbstverwirklichung. Der Satanismus ist in der Tat die
einzige Religion, die die Förderung oder Stärkung des
Selbstvertrauens befürwortet. Nur wer ausreichend
Selbstvertrauen besitzt, kann es sich leisten, gütig und
höflich zu anderen zu sein, ohne seinen Selbstrespekt zu
verlieren. Wir denken immer, ein Angeber habe ein
starkes Selbstbewusstsein; aber in Wirklichkeit entsteht
seine Angeberei aus dem Bedürfnis, sein
unterentwickeltes Selbstbewusstsein zu befriedigen.
Die religiösen Führer haben ihre Anhänger immer durch
die Unterdrückung des Selbstvertrauens bei der Stange
gehalten. Indem sie ihren Anhängern das Gefühl der
Unterlegenheit geben, wird die Ehrfurcht für ihren Gott
gesichert. Der Satanismus ermutigt seine Mitglieder, ein
ordentlich starkes Ego zu entwickeln, das ihnen den

notwendigen Selbstrespekt für ein kraftvolles Leben auf
dieser Erde gibt.
Wenn ein Mensch sein ganzes Leben lang vital war und
bis zum Ende um seine irdische Existenz gekämpft hat,
dann weigert sich sein Selbstbewusstsein zu sterben,
selbst nach dem Tod des Körpers, in dem es
untergebracht war. Kleine Kinder sind um ihre sprühende
Begeisterung für das Leben zu beneiden. Dies wird
deutlich an dem Kind, das nicht ins Bett gehen will, weil
etwas aufregendes im Gange ist, und wenn es ins Bett
gelegt wird, schleicht es sich die Treppe hinunter und
guckt heimlich hinter dem Vorhang hervor. Diese
kindliche Lebendigkeit ist es, die es dem Satanisten
ermöglicht, durch den Schleier von Finsternis und Tod zu
schauen und erdverbunden zu bleiben!
Selbstaufopferung wird von der satanischen Religion
nicht befürwortet. Falls es sich nicht um eine extreme
Situation handelt, in der der Tod eine Erlösung von
einem unerträglichen Leben auf Erden bedeutet, wird
Selbstmord vom Satanismus missbilligt.
Die religiösen Märtyrer haben sich nicht das Leben
genommen, weil es für sie unerträglich war, sondern um
ihr höchstes Opfer als Werkzeug einzusetzen, den
religiösen Glauben zu fördern. Wir müssen daraus
schließen, dass Selbstmord, wenn er für die Kirche
begangen wird, verziehen und sogar gefördert wird -
obwohl ihre Schriften ihn als eine schwere Sünde
bezeichnen - denn die alten religiösen Märtyrer wurden
immer verehrt und vergöttert.

Es ist ziemlich merkwürdig, dass der Selbstmord von
anderen Religionen nur dann für Sünde gehalten wird,
wenn er freudig geschieht.
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