DAS BUCH LUZIFER - (Luft) Teil12

Veröffentlicht auf von koma1980

DIE SCHWARZE MESSE

ein anderer Begriff wird so oft mit dem
Satanismus in Verbindung gebracht wie die
Schwarze Messe. Die Feststellung, dass die
gotteslästerlichste aller religiösen Zeremonien nicht mehr
ist als eine literarische Erfindung, ist sicherlich eine
Aussage, die näher erläutert werden muss - aber nichts
könnte wahrer sein.
Im allgemeinen stellt man sich die Schwarze Messe so
vor: Ein abtrünniger Priester steht vor einem Altar, der
aus einer nackten Frau mit breit abgespreizten Beinen
und hervorgereckter Vagina besteht, in jeder ihrer
ausgestreckten Hände hält sie eine schwarze Kerze aus
dem Fett von ungetauften Kindern, und ein Kelch mit
Urin (oder Blut) einer Prostituierten steht auf ihrem
Bauch. Ein umgedrehtes Kreuz hängt über dem Altar,
und dreieckige Hostien aus Mutterkorn oder einer
schwarzfleckigen Rübe werden gesegnet, indem der
Priester sie pflichtschuldigst zwischen den Schamlippen
der Altar-Frau hin- und hergleiten lässt. Dann, so wird
gesagt, folgt eine Anrufung Satans und diverser
Dämonen, gefolgt von einer Reihe von Gebeten und
Psalmen, die rückwärts vorgetragen werden und voller
Obszönitäten sind... und all das wird innerhalb der
Grenzen eines „schützenden“ Pentagramms vollzogen,
das auf dem Boden gezeichnet ist. Falls der Teufel
erscheint, so tritt er immer in Form eines ziemlich
eifrigen Mannes auf, mit dem Kopf eines schwarzen
Bocks auf den Schultern. Dann folgt ein Schwall von

Geißelungen, Gebetsbuch-Verbrennung, cunnilingus,
fellatio und allgemeiner Hinterbacken-Küsserei- alles
untermalt mit zotigen Zitaten aus der Heiligen Schrift
und hörbarem Anspucken des Kreuzes! Wenn ein Baby
während des Rituals geschlachtet werden kann, um so
besser; denn jeder weiß, dass das des Satanisten
Lieblingsbeschäftigung ist!
Es ist verständlich, dass diese Berichte über die Schwarze
Messe, die so abstoßend klingen, ihr Ziel erreichen,
nämlich, die Gläubigen an ihre Kirche zu binden. Jeder
„anständige“ Mensch würde sich auf die Seite des
Inquisitors schlagen, wenn er von diesen
Gotteslästerungen hört. Die Propagandisten der Kirche
haben gute Arbeit geleistet, indem sie die Öffentlichkeit
immer wieder über die Ketzereien und ruchlosen Taten
der Heiden, Katharer, Bogumilen, Templer und anderer
aufklärten, die wegen ihrer dualistischen Philosophien
und manchmal satanischen Logik ausgerottet werden
mussten.
Die Geschichten von ungetauften Kindern, die von
Satanisten gestohlen wurden, um sie für die Messe zu
benutzen, waren nicht nur eine wirkungsvolle
Propagandamaßnahme, sondern auch eine zuverlässige
Einkommensquelle für die Kirche. Jede christliche
Mutter würde schnellstens ihr Kind anständig taufen
lassen, wenn sie von diesen teuflischen
Kindesentführungen hört.
Eine andere Facette der menschlichen Wesensart ist, dass
der Schriftsteller oder der Künstler mit lüsternen
Gedanken sich seine obszönsten Vorlieben ausmalen

kann, indem er die Aktivitäten dieser Ketzer beschreibt.
Der Zensor, der sich pornographisches Material ansieht,
damit er weiß, wovor er die Anderen warnen muss, ist
das moderne Gegenstück zum mittelalterlichen
Chronisten der obszönen Taten der Satanisten (und
natürlich auch die entsprechenden modernen
Journalisten). Man vermutet, dass die umfassendste
pornographische Bibliothek sich im Besitz des Vatikans
befindet!
Es ist leicht ersichtlich, dass das Küssen des Hinterns des
Teufels während der traditionellen Schwarzen Messe ein
Vorläufer des Ausdrucks ist, mit dem man einen
Menschen beschreibt, der jemandem schmeichelt, um
einen materiellen Vorteil von ihm zu erhalten. Da alle
satanischen Zeremonien einem sehr konkreten oder
materiellen Ziel dienten, wurde der oscularum infame
(oder Kuss der Schande) eher als symbolische
Maßnahme für den irdischen als für den geistigen Erfolg
angesehen.
Normalerweise wird angenommen, dass die satanische
Zeremonie immer als Schwarze Messe bezeichnet wird.
Eine Schwarze Messe ist nicht die magische Zeremonie,
die von Satanisten praktiziert wird. Der Satanist setzt die
Schwarze Messe nur als eine Art Psychodrama ein.
Außerdem bedeutet der Begriff Schwarze Messe nicht
unbedingt, dass ihre Teilnehmer Satanisten sind. Eine
Schwarze Messe ist in erster Linie eine Parodie auf den
Gottesdienst der römisch-katholischen Kirche, kann aber
auch als Satire auf jede andere religiöse Zeremonie
eingesetzt werden.

Der Satanist hält die Schwarze Messe als Gotteslästerung
der orthodoxen Riten für überflüssig. Die Gottesdienste
der etablierten Religionen sind schon an sich Parodien
auf alte Rituale, die von den Anbetern der Erde und des
Fleisches durchgeführt wurden. In dem Bemühen, den
heidnischen Glauben geschlechtslos und entmenschlicht
zu machen, haben die späteren Gläubigen die ehrliche
Bedeutung der Rituale verfälscht und zu den farblosen
Inhalten gemacht, die heute als „wahre Messe“ gelten.
Selbst wenn der Satanist jede Nacht damit verbringen
würde, eine Schwarze Messe zu feiern, so würde er nicht
mehr eine Karikatur zelebrieren als der fromme
Kirchgänger, der unwissentlich seine eigene „Schwarze
Messe“ besucht - seine Parodie auf die ehrlichen und
gefühlvollen Riten der heidnischen Antike.
Jede Zeremonie, die man als Schwarze Messe betrachten
kann, muss schockierend und empörend sein, denn das ist
offensichtlich die Vorraussetzung für ihren Erfolg. Im
Mittelalter galt Gotteslästerung als schockierend.
Heutzutage hat die Kirche nicht mehr das
ehrfurchtgebietende Image wie zu Zeiten der Inquisition.
Die traditionelle Schwarze Messe ist längst nicht mehr
das ungeheuerliche Schauspiel für den dilettantischen
oder abtrünnigen Priester, die sie einmal war. Wenn der
Satanist ein Ritual erstellt, das als Psychodrama zur
Bloßstellung einer etablierten Einrichtung dienen soll, so
achtet er sorgfältig darauf, nicht ein Modethema
auszuwählen, das bereits als Parodie verwendet wurde.
Auf diese Weise schlachtet er dann wirklich eine heilige
Kuh.

Heutzutage würde eine Schwarze Messe solche
„heiligen“ Themen bloßstellen wie östlichen
Mystizismus, Psychiatrie, die psychodelische Bewegung,
Ultra-Liberalismus. Patriotismus würde gefördert,
Drogen und ihre Gurus schlechtgemacht, kulturlose
Militante würden vergöttert, und der verfall der
kirchlichen Theologien könnte sogar einen satanischen
Anschub erhalten.
Der satanische Magus war immer der Katalysator bei der
Entwicklung gängiger Glaubensvorstellungen, und in
diesem Fall kann eine Zeremonie nach Art der
Schwarzen Messe einem weitreichenden magischen
Zweck dienen.
Im Jahr 1666 ereigneten sich in Frankreich einige sehr
interessante Vorfälle. Nach dem Tod von Francois
Mansart, dem Schöpfer des Trapezoids, dessen
Geometrien zum Prototyp des Geisterhauses werden
sollten, wurde der Palast von Versailles nach seinen
Plänen errichtet. Die letzte glanzvolle Priesterin Satans,
Jeanne-Marie Bouvier (Madame Guyon) wurde
übertrumpft von einer scharfsinnigen Opportunistin und
herzlosen Geschäftsfrau namens Catherine Deshayes,
auch bekannt als „LaVoisin“. Sie war eine ehemalige
Kosmetikerin, die, während sie sich in Abtreibungen
versuchte und äußerst wirkungsvolle Gifte für Damen
besorgte, die ihre Ehemänner oder Liebhaber zu
beseitigen wünschten, in den reißerischen Berichten über
„Schwarze Messen“ ihre Inspiration fand.
Man kann mit Sicherheit sagen, dass 1666 das Jahr der
ersten „kommerziellen“ Schwarzen Messe war! In der

Gegend südlich von St. Denis, heute La Grenne, erwarb
die LaVoisin ein großes, von Mauern umgebenes Haus,
ausgestattet mit Apotheken, Zellen, Laboratorien und...
einer Kapelle. Bald wurde es ein Muss für das
Königshaus und einfache Laien, an den in diesem Kapitel
schon beschriebenen Zeremonien teilzunehmen. Der
organisierte Betrug, der sich durch diese Zeremonien
zog, ging unauslöschlich als „echte Schwarze Messe“ in
die Geschichte ein.
Als die LaVoisin am 13. Mai 1679 (übrigens in der
Kirche unserer Lieben Frau der guten Botschaft)
verhaftet wurde, waren die Würfel schon gefallen. Die
erniedrigenden Aktivitäten der LaVoisin hatten die
Würde des Satanismus für viele kommende Jahre
zunichtegemacht.
Die Marotte, Satanismus als Spaß und Spiel zu betreiben,
begann in England Mitte des 18. Jahrhunderts, in Form
von Sir Francis Dashwood’s Orden der Medmanham
Franziskaner, im Volksmund Hell Fire Club genannt.
Indem er Blut, Gemetzel und Babyfett-Kerzen wegließ,
leitet Sir Francis Rituale voller deftigem Spaß und schuf
somit eine farbenprächtige und harmlose Form des
Psychodramas für viele führenden Köpfe seiner Zeit.
Eine interessante Nebenbeschäftigung von Sir Francis,
die einen Hinweis auf das Klima des Hell Fire Club gibt,
war eine Gruppe, die Dilettanten Club genannt wurde,
und deren Gründer er war.
Im 19. Jahrhundert wurde der Satanismus verfälscht
durch die kläglichen Versuche von „Weißmagiern“,
„Schwarze“ Magie zu praktizieren. Das war ein sehr

paradoxer Zeitabschnitt für den Satanismus, mit
Schriftstellern wie Baudelaire und Huysmans, die trotz
ihrer offensichtlichen Besessenheit vom Bösen nette
Kerle zu sein schienen. Der Teufel entwickelte seine
luziferianische Persönlichkeit in aller Öffentlichkeit und
wurde mit der Zeit zu einer Art Salonlöwe. Das war das
Zeitalter der „Experten“ der Schwarzen Kunst, wie
Eliphas Levi und zahllosen Trance-Medien, die es mit
ihren sorgsam in Grenzen gehaltenen Geistern und
Dämonen bis heute erreicht haben, auch den Verstand
vieler, die sich selbst als Parapsychologen bezeichnen, in
Grenzen zu halten!
Was den Satanismus angeht, so waren die deutlichsten
Anzeichen für diese Entwicklung die neo-paganistischen
Riten von MacGregor Mathers’ Hermetischen Orden der
Goldenen Dämmerung, von Aleister Crowley’s späterem
Orden des silbernen Sterns (A.`. A.’. - Argentinum
Astrum) sowie vom Orden der orientalischen
Tempelherren (O.T.O. - Ordo Templi Orientis); die
geradezu pranoisch jede Verbindung mit dem Satanismus
leugneten, trotz des von Crowley auf sich selbst
bezogenen Bildes des Biestes aus der Offenbarung. (Der
O.T.O. ist Crowley’s Imitation der deutschen Sekte mit
gleichen Namens, die ursprünglich 1902 gegründet
wurde, und von der einige Prinzipien in diesem Buch
dargestellt sind.) Wenn Crowley nicht gerade auf Berge
stieg, verbrachte er, abgesehen von recht bezaubernder
Poesie und einem Halbwissen an magischen Nippes,
seine meiste Zeit als Blender par exellence und machte
Überstunden im Bösesein. Wie sein Zeitgenosse, (Rev.?)
Montague Summers, lief Crowley offensichtlich den
größten Teil seines Lebens mit einem Knoten in der

Zunge herum, aber seine Anhänger sind heute irgendwie
imstande, einen esoterischen Sinn aus jedem seiner
Worte herauszulesen.
Mit diesen Gesellschaften in Übereinstimmung befanden
sich die Sex Clubs, die den Satanismus als ihre
Grundlage benutzten- und zwar bis heute, sehr zur
Freude der Boulevardpresse.
Wenn es also so aussieht, dass die Schwarze Messe sich
aus einer literarischen Erfindung der Kirche zu einer
lasterhaften kommerziellen Realität entwickelt hat, zu
einem Psychodrama für Dilettanten und Bilderstürmer,
zu einem Trumpf im Ärmel der Massenmedien... wo ist
dann der Zusammenhang zum wahren Wesen des
Satanismus - und wer praktizierte satanische Magie in
den Jahren nach 1666?
Die Lösung dieses Rätsels findet sich in einem weiteren
Rätsel. Praktiziert derjenige, der als Satanist angesehen
wird, wirklich Satanismus in seinem wahrhaften Sinn
oder eher aus der Sicht der Meinungsmacher himmlische r
Glaubensrichtungen? Es wurde oft und richtigerweise
gesagt, dass alle Bücher über den Teufel von
Stellvertretern Gottes geschrieben wurden. Deshalb ist es
einfach nachzuvollziehen, wie durch die Lügen von
Theologen eine gewisse Brut von Teufelsanbetern
erfunden wurde. Dieser einstige „böse“ Mensch
praktiziert nicht unbedingt den wahren Satanismus. Auch
ist er nicht die Verkörperung des uneingeschränkten
Stolzes auf sich selbst, die dazu führte, dass die neopaganistische
Welt von der Kirche als böse bezeichnet

wird. Er ist statt dessen das Produkt späterer und
ausgefeilterer Propaganda.
Der Pseudo-Satanist hat es immer wieder fertiggebracht,
durch seine Schwarzen Messen mit mehr oder weniger
heftiger Gotteslästerung in der modernen Geschichte
aufzutauchen; aber der wirkliche Satanist ist nicht ganz
so einfach als solcher zu erkennen.
Es wäre vereinfacht zu sagen, dass alle erfolgreichen
Männer oder Frauen auf Erden ohne es zu wissen,
praktizierende Satanisten sind; aber das Streben nach
irdischem Erfolg und seine Verwirklichung sind sicher
ein guter Grund für den heiligen Petrus, ein
vernichtendes zu sprechen. Wenn es für den reichen
Menschen so schwierig zu sein scheint, in den Himmel
zu kommen, wie für das Kamel, durch ein Nadelöhr zu
gehen; wenn die Liebe zum Geld die Wurzel alles Bösen
ist; dann müssen wir einfach daraus schließen, dass die
mächtigsten Menschen auf dieser Welt die größten
Satanisten sind. Dies trifft auf Finanziers, Industrielle,
Päpste, Poeten, Diktatoren und alle mit ihnen
verbundenen Meinungsmacher und Drahtzieher des
Geschehens auf dieser Erde zu.
Gelegentlich wird durch eine „undichte Stelle“ bekannt,
dass einer dieser rätselhaften Männer oder eine dieser
Frauen dabei ertappt wurde, sich in Schwarzer Magie zu
versuchen. Diese gehen dann natürlich als
„geheimnisvolle Persönlichkeiten“ in die Geschichte ein.
Namen wie Rasputin, Sacharow, Cagliostro, Rosenberg
und ihresgleichen sind sozusagen Anhaltspunkte für das
Vermächtnis Satans... ein Vermächtnis, das über

ethnische, rassische und wirtschaftliche Unterschiede
sowie irdische Ideologien hinausgeht. Der Satanist hat
immer die Welt regiert... und er wird es immer tun, egal,
wie man ihn nennt.
Eines ist sicher: Die Maßstäbe, die Philosophie und die
Praktiken, die auf diesen Seiten dargelegt werden,
werden von den selbstbewusstesten und mächtigsten
Menschen auf dieser Erde angewandt. In den geheimen
Gedanken jeder Frau und jedes Mannes mit gesundem
und klaren Menschenverstand ruht die Fähigkeit zum
Satanisten. Das Zeichen der Hörner soll vielen
erscheinen und nicht nur einigen wenigen; und der
Magier wird sich zeigen, auf dass man ihn erkennt.
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